ACKERWILDKRÄUTER

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Was sind Ackerwildkräuter?

 

Zur Ackerbegleitflora gehören ca. 350 Arten an Wildpflanzen, die teilweise seit Jahrtausenden in Ackerkulturen vorkommen. Die Arten sind angepasst an den regelmäßigen Anbau von Feldfrüchten. Der technische Fortschritt in der Landwirtschaft und die chemische Unkrautbekämpfung haben zum starken Rückgang von Klatschmohn, Kornblume, Frauenspiegel, Adonisröschen und co. geführt.


Ackerwildkräuter sind heute die am stärksten bedrohte Pflanzengruppe Mitteleuropas. Dabei ist die Mehrzahl der Beikräuter in der Landwirtschaft tolerierbar, da konkurrenzschwache Arten den Ernteertrag kaum verringern.

Mehr zu Ackerwildkräuter in der Broschüre mit Infos und Tipps für die landwirtschaftliche Praxis (dvl.org)

Wozu Ackerwildkräuter fördern?

​Ackerwildkräuter geben als Zeigerpflanzen Auskunft über den Bodenzustand. Indem sie das Bodenleben  fördern und Austrocknung sowie Erosion verringern, verbessern sie die Bodenbeschaffenheit. Die Biodiversität auf Äckern dient außerdem der natürlichen Schädlingsreduktion und sichert genetische Ressourcen. Arten, die heute als „Unkräuter“ bezeichnet werden, wurden früher z. B. als Heilmittel, Textilien und Nahrungsmittel verwendet.

 

Felder mit einer reichen Begleitflora fördern die Artenvielfalt der Tierwelt. Extensiv bewirtschaftete Äcker mit Vorkommen  von Wildkräutern bieten wichtigen Nahrungs- und Lebensraum für  Feldvögel und Bestäuber. Nicht zuletzt steht ein bunt blühender Acker prägend für die traditionelle Kulturlandschaft. Sie sind Zeugnis der menschlichen Siedlungs- und Landwirtschaftsgeschichte.

Warum die Ackerbewirtschaftung anpassen?

  • Flurbereinigung und Nivellierung mit einheitlichen, dichten Beständen an Kulturpflanzen führen zusammen mit einseitigen Fruchtfolgen, verbesserter Saatgutreinigung und Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Insektizide und Herbizide) zu einem starken Verlust an Biodiversität in der Agrarlandschaft.

  • Dadurch entwickeln sich extrem artenarme Beikrautbestände. Problematische Wurzelwildarten und Gräser wie Quecke und Ackerkratzdistel werden begünstigt.

  • Wichtig sind reduzierte Düngung, lichte Ansaat und ein später Stoppelumbruch. So haben Ackerwildkräuter eine Chance, sich in der Feldkultur zu entwickeln

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Förderung über Ökolandbau, FAKT und LPR  

Der LEV Böblingen arbeitet zusammen mit Landwirtinnen/Landwirten, Naturschutzbehörde und –vereinen daran, die biologische Vielfalt auf Ackerflächen zu erhalten Derzeit sind rund 7 ha Ackerfläche unter LPR A Vertrag mit extensiver Bewirtschaftung gesichert. Die Artenvielfalt der Agrarlandschaft profitiert außerdem von Flächen im biologischen Landbau und von FAKT A1, D1/2, und E3 Maßnahmen (Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl).

Eine Übersicht der Agrarumweltmaßnahmen in Baden-Württemberg bietet die Broschüre  Biodiversitaet_und_Insektenschutz_in_der_Landwirtschaft.pdf (baden-wuerttemberg.de)

Als Maßnahme nach Landschaftspflegerichtlinie (LPR) sind 5-jährige Verträge möglich, zu denen der LEV Böblingen berät und unterstützt. Die Fördersätze betragen 590 Euro pro ha für extensive Ackerbewirtschaftung (Keine Pflanzenschutzmittel / Stickstoffdüngung), sowie zusätzlich 340 Euro pro ha bei hohem Arbeits- und Beratungsaufwand.

Somit sind bis zu 930 € je Hektar als Förderung für den Ackerwildkrautschutz über LPR möglich. Dabei gelten als Bewirtschaftungskriterien:

  • schonende Bodenbearbeitung (z.B. geringe Pflugtiefe)

  • Lichte Ackerkultur z. B. durch reduzierte Saatstärke, Drilllücken, doppelter Saatreihenabstand, ohne Untersaaten

  • vielgliedrige Fruchtfolge. Empfehlenswert ist der Schwerpunkt auf Wintergetreide mit robusten Fruchtsorten bzw. Anbau alter Kulturen wie Emmer, Einkorn und Dinkel. Roggen, Hafer und Sommergerste eignen sich auch.

  • Geringe Düngung mit Festmist und einjährigem Kleeanbau ohne Herbizid- oder Pestizideinsatz

 

Problemarten können über die Fruchtfolge und mechanisch über Bodenbearbeitung bekämpft werden. In bestimmten Fällen kann nach Absprache eine dichte Saat oder mehrjähriger Kleeanbau eingesetzt werden.

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Mehr Informationen

Mehr zum Ackerwildkrautschutz ​finden Sie hier beim Infodienst Ländlicher Raum - Ackerwildkrautäcker (landwirtschaft-bw.info) und der Website 100 Äcker für die Vielfalt (schutzaecker.de).

Der LEV Böblingen berät und betreut landwirtschaftliche Betriebe bei der Anbahnung von LPR-Verträgen und zu allen weiteren Fragen rund um den Ackerwildkrautschutz. 

Ansprechpartnerin: Juliane Martin (j.martin@lrabb.de oder 07031- 663 2385)